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Riester Rente gescheitert?

Riesterrente

Die Zahlen verheißen nichts Gutes. Ursprünglich sollte die Riesterrente das große Loch der gesetzlichen Rentenversicherung stopfen und für ein zusätzliches Standbein des Sparens sorgen. Doch daraus ist nur bedingt etwas geworden. Von den insgesamt 16,5 Millionen bestehenden Verträgen ruhen ein Fünftel. Die Menschen zahlen aktuell zu wenig ein.

Die Rente, welche auch unter Martin Schulz zum Wahlkampfthema entbrannt ist, bleibt damit nach wie vor ein brisantes Thema. Die Linken - Politikerin Zimmermann nutzte diesen Anlass, um von einem Scheitern dieser Vorsorgeform zu sprechen. Nicht nur, dass lediglich die Hälfte der Förderberechtigten einen Vertrag abgeschlossen hätten, viele Menschen seien schlicht nicht mehr in der Lage, die Beiträge aufzubringen.

Auch andere Produkte vor dem Aus?

Die Riesterrente ist beileibe nicht das einzige Finanz - beziehungsweise Versicherungsprodukt, welches sich auf dem Abstellgleis befindet. Lockte die Kapitallebensversicherung in den 90er Jahren noch mit vier Prozent Garantiezins, sind es seit Januar 2017 nur 0,9 Prozent. Eine Tatsache, die natürlich unserem aktuellen Zinsniveau geschuldet ist. Allerdings existieren nicht nur wesentlich einfachere Finanzprodukte, welche den gleichen Zins garantieren, ein ebenso großes Problem besteht in den hohen Nebenkosten. Schließlich wird nicht der volle Beitrag in die eigene Kasse eingezahlt, sondern es fällt je ein Teil weg für Gebühren sowie die Risikoabsicherung. Nur der übrige Teil der Sparsumme wird letztendlich verzinst. Der direkte Vergleich mit einem Sparplan hinkt allerdings denn die Absicherung für den Todesfall ist ja auch eine Leistung, die bezahlt werden muss. Zu Hochzeiten der Kapitallebensversicherung verstanden die Kunden das Produkt allerdings meistens als langfristige Kapitalanlage, die Risikoabsicherung war für viele Sparer eher Nebensache.

Die Altersarmut droht

Ein Satz, den viele nicht mehr hören können, der aber niemals unterschätzt werden sollte. Nicht nur Allianz - Chef Knof ist davon überzeugt: die Deutschen legen zu wenig für ihre Zukunft beiseite. Die Bundesbürger würden aktuell nur mit 35 bis 40 Prozent ihres vorherigen Nettoeinkommens in der Rentenzeit leben. Der Bundestag hat deshalb eine Reform der Betriebsrente verabschiedet, welche diese Form der Altersvorsorge für Geringverdiener attraktiver machen soll.

Ist die Riester-Rente noch zu retten?

Natürlich ist der Politik bekannt, dass wir irgendwann ein Problem mit dem Rentenniveau bekommen. Und das kann dem Staat alles andere als egal sein, denn er hat seinen Bürgern ja eine Grundversorgung zugesagt. Fallen also Renten unter das Niveau dieser Grundversorgung oder Grundsicherung, muss der Staat die Lücke schließen.

Mit Einführung der Riester-Förderung vor jetzt immerhin 15 Jahren war die Hoffnung verbunden, die Bevölkerung mehr zum aktiven Sparen für das Alter zu bewegen. Dies ist leider nicht hinreichend gelungen. Nun soll eine Erhöhung der Riesterförderung dem Produkt Riester-Rente neuen Schwung geben. Die Grundzulage soll von 154 Euro auf 175 Euro steigen wie mehrere Medien mit Berufung auf Koalitionskreise berichten. Sollte es dazu kommen, steigt zumindest die Rendite des Produktes und erreicht ein Niveau, welches man erst einmal mit anderen Sparformen erreichen muss.

Rendite ist nicht alles

Die Riester-Rente als Unsinn zu bezeichnen wäre falsch. Allerdings hat sie gegenüber anderen Sparformen Nachteile, die die Freude an einer vermeintlich höheren Rendite schmälern.

  • Der Geringverdiener, für den die Riester-Rente ja in erster Linie gedacht war, muss sich überlegen, ob die Riester-Rente sein späteres Einkommen so anhebt, dass er über das Niveau der Grundsicherung kommt. Ansonsten hätte er sich das Sparen nämlich sparen können.
  • Die ausgezahlte Rente muss zumindest teilweise versteuert werden und das, obwohl die Einzahlungen ja aus bereits versteuertem Einkommen erfolgte.
  • Die niedrige Verzinsung und die Gebühren fressen einen guten Teil der staatlichen Zulage auf.
  • Maximal 30% des angesammelten Kapitals darf am Ende der Laufzeit einmalig ausgezahlt werden und diese Auszahlung ist steuerschädlich, d.h., sie muss nicht nur versteuert werden, sondern wirkt sich durch die Steuerprogression auch noch negativ auf den Steuersatz des Empfängers aus.
  • Viele Versicherer stehen immer wieder in Kritik bezüglich ihrer Geldanlagestrategien. So wird aus Renditegründen in Firmen investiert, die z.B. Waffen produzieren, Ressourcen schädigen, nicht nachhaltig Produzieren oder im Verruf sind Kinderarbeit zu fördern.

Fazit

Die Riester-Rente ist kein grundsätzlich schlechtes Produkt. Trotz einiger Nachteile, kann sie für viele Deutsche eine gute Sparform sein. Wenn sie Menschen zum Sparen für das Alter animiert, die das sonst nicht täten, ist ihr Zweck auch dann erfüllt, wenn die Rendite nicht übermäßig ausfällt. Die wahrscheinlich anstehende Erhöhung der Zulagen kann die Attraktivität des Produktes für viele Sparer wieder erhöhen. Es ist aber wichtig, dass jeder für sich im Vorfeld abwägt ob eine Alternative für ihn eine bessere Wahl wäre.

Artikel eingestellt am in der Rubrik Kapital & Finanzen.

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